St. Stephan
WOLFGANG HOLLEGHA - JOSEF MIKL - MARKUS PRACHENSKY - ARNULF
RAINER
Monsignore Otto Mauer zu Ehren
11.12.03 – 13.02.2005, Schömer-Haus
Kuratorin: Agnes Essl
Franz Hubmann: Die vier Maler der Galerie St. Stephan
in der Wiener Secession im Jahr 1957
© by Franz Hubmann, Wien |
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1954 gründete Monsignore Otto Mauer
die Galerie St. Stephan in Wien. Sein leidenschaftlicher
Einsatz für die damals junge Kunst führte dazu,
dass die Galerie in den 1950er und 60er Jahren zu einem
zentralen Ort österreichischer Avantgarde wurde. Otto
Mauer, dessen Todestag sich 2003 zum 30. Mal jährt,
war als visionärer und streitbarer Kirchenmann ein
bedeutender Förderer zeitgenössischer Kunst in
Österreich. Seine Vorstellung vom Geistigen und Transzendenten
in der Kunst wurde in den 50er Jahren besonders durch die
von Frankreich und Amerika beeinflusste informelle Malerei
repräsentiert. Mauer sah in den abstrakten Kürzeln
und Zeichen dieser Malerei insbesondere metaphysische Bezüge.
Die Gruppe St.Stephan mit den Künstlern Wolfgang
Hollegha, Josef Mikl, Markus Prachensky und Arnulf Rainer
wurde 1956 gegründet. Die Künstler bestimmten
fast ein Jahrzehnt lang in Absprache mit Mauer wesentlich
das Programm und die Ausrichtung der Galerie, bekamen dort
zahlreiche Einzelausstellungen und knüpften Kontakte
zu internationalen Kunstinstitutionen. |
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1967, zum zwölfjährigen Bestehen der Galerie St.
Stephan sagte Josef Mikl zu Otto Mauer: "Starrköpfig
und ohne das bei uns oft angeborene Talent zu kleinen Vergleichen,
wehrhaft gegenüber Argumenten von Untieren und Miesmachern,
(...) nie ermüdend beim Durchqueren des heimischen Teiges
phantastischer Salonmalerei, (...) sind Sie das Beispiel eines
guten Österreichers."
Auf Initiative der Sammlerin Agnes Essl wird den Künstlern
der Gruppe St. Stephan diese Ausstellung gewidmet. Die frühen
Werke von Hollegha, Mikl, Prachensky und Rainer repräsentieren
die österreichische Avantgarde der Nachkriegszeit. Das
Sammlerpaar Agnes und Karlheinz Essl hat die Arbeit der vier
Künstler über Jahrzehnte verfolgt und wichtige Werke
und Werkblöcke vieler Schaffensperioden angekauft, einem
langjährigen Sammlungskonzept folgend. Gemäß
der Präsenz der Künstler in der Sammlung werden die
künstlerischen Entwicklungen von den informellen Anfängen
der 50er Jahre bis heute im Dialog verfolgbar.
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Wolfgang Hollegha, 1929 geboren, war 1952 Mitglied
der von Arnulf Rainer und anderen Künstlern gegründeten
"Hundsgruppe" und des "Art-Club". Holleghas farbintensive
malerische Formfindung geht immer vom realen Gegenstand
aus, der sich dann aber vollkommen zugunsten der Abstraktion
auflöst. Es handelt sich um ein Herauslösen einer
Form, die für die Ganzheit des Gegenstandes nicht mehr
bedeutsam ist. Ein besonderes Kennzeichen der Werke Holleghas
ist der dünne Farbauftrag. Dies rückt ihn in die
Nähe der amerikanischen "colourfield painter". Das
Schaffen von Wolfgang Hollegha, der seit 1961 in Wien und
in Rechberg in der Steiermark lebt, ist durch zahlreiche
große Ausstellungen im In- und Ausland gewürdigt
worden.
Wolfgang Hollegha
Ohne Titel (undat.)
Acryl auf Leinwand
150 x 105 cm
Foto: Im Kinsky
© Sammlung Essl Privatstiftung
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Das bestimmende Thema im Werk von Josef Mikl,
1929 geboren, ist immer der Körper. In seinem abstrakten
Realismus geht er oft von Körperteilen, speziell von
Gelenken aus und nimmt sie als Grundlage für seine
Umsetzung in Malerei. Konkrete, dem Figurativen verbundene
Inhalte bilden so den Ausgangspunkt für Mikls impulsive
Farbkompositionen. Die Form des Gegenstandes kann dann bis
zur Unkenntlichkeit zurücktreten, auf sie verweist
oft nur mehr der Bildtitel. In Studienblättern und
Zeichnungen ist die Auseinandersetzung mit der Körperlichkeit
der Figur jedoch deutlich nachzuvollziehen. Starke leuchtende
Farben und ein großer Gestus in der Form sind kennzeichnend
besonders für die Malerei der letzten Jahre. Mikl schuf
1997 das Deckenbild und 22 Wandbilder für den Großen
Redoutensaal in der Wiener Hofburg.
Josef Mikl
C8 Figur I (1977)
Öl auf Leinwand
198 x 150 cm
Foto: Photoatelier Laut, Wien
© Josef Mikl
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Der 1932 geborene Markus
Prachensky ist ein reisender Künstler. Er erregte
im Österreich der späten 50er Jahre durch seine
informellen Aktionen großes Aufsehen. 1959 kam es
im Wiener Theater am Fleischmarkt im Vorprogramm einer Malaktion
von Georges Mathieu zur ersten Vorführung der "Peinture
liquide", bei der Prachensky mehrere hundert Liter roter
Farbe über eine aufrechte Wand goss. Der Künstler
hat vor seinem Studium der Malerei ein Architekturstudium
abgeschlossen; seine Bilder scheinen von diesem architektonischen
Denken beeinflusst, sie besitzen selten die spontane Expressivität,
die für Arbeiten von Mikl, Hollegha oder Rainer kennzeichnend
ist. Das tektonische Element ist wesentlicher Bestandteil
seiner Malerei, wenn auch immer mit Tendenzen zu Auflösung
und Gestik. Prachensky malt zyklische Bildfolgen, die er
nach Orten der Entstehung oder nach Orten, mit denen ihn
eine Erinnerung verbindet, benennt.
Markus Prachensky
Poseidon Stomp 21 (1992)
Acryl auf Leinwand
160 x 120 cm
Foto: Photoatelier Laut, Wien
© Sammlung Essl Privatstiftung
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Arnulf Rainer, geboren 1929, arbeitet
seit den 1950er Jahren an einer künstlerischen Form
der Unmittelbarkeit, eines Ausdrucks voll physischer Kraft.
Nach strengen Formübungen und Proportionsstudien beginnt
er Mitte der 50er Jahre mit fast monochromen Übermalungen.
In den 60er und 70er Jahren werden die Übermalungen,
für die er auch Fotos und fremde Kunstwerke benutzt,
immer exzessiver. Rainer arbeitet mit dem Körper, malt
mit Händen, experimentiert mit Grenzerfahrungen, oder
arbeitet bis zu Zuständen totaler Erschöpfung.
Er ist immer auf der Suche nach dem unmittelbaren Ausdruck,
der nicht durch Gelerntes entfremdet wird. Diese künstlerisch
intensive Auseinandersetzung mit dem Existenziellen hat
Rainer zu einem der international bedeutendsten lebenden
Künstler Österreichs gemacht.
Arnulf Rainer
Kreuz (1986)
Öl auf Holz
165 x 104 cm
Foto: Photoatelier Laut, Wien
© Arnulf Rainer
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Katalog
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Deutsch. 120
Seiten, zahlreiche ganzseitige farbige Abbildungen. Mit
Beiträgen von Agnes Essl, Bernhard A. Böhler,
Mela Maresch und Andreas Hoffer.
Sammlung Essl Privatstiftung: Klosterneuburg 2003
€ 17.00
ISBN 3-902001-16-X |
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updated: 22.08.2010
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