FRANZ RINGEL
Stationen einer Reise
07.09 – 01.11.2005
Kuratorin: Sonja Traar
Die Sammlung Essl zeigt vom 7. September bis 1. November 2005
die Ausstellung "Stationen einer Reise" anlässlich des
65. Geburtstags von Franz Ringel. Die Reise durch die Schaffensphasen
des Künstlers umfasst über 95 Exponate von 1957 bis
2005, davon 64 Werke aus der Sammlung Essl, 12 Leihgaben –
darunter bekannte Bilder wie Denkmal für Klimt (1981)
– sowie zahlreiche neue Arbeiten, teilweise direkt aus
dem Atelier. Zu sehen sind auch drei filmische Portraits von
Franz Ringel aus 1972, 1986 und 1996, darunter der berührende
Film Colette.
Die Reise – für den Künstler Franz Ringel
Abstieg in die dunklen Zonen der eigenen Psyche sowie Metapher
für Selbsterkenntnis – ist ein durchgehendes Motiv
in seinem Schaffen. Die Konzeption der Ausstellung basiert ebenfalls
auf diesem Thema. Unterteilt in zehn Stationen, an denen der
Besucher einmalig auftretende Bildphänomene in Ringels
Werk entdeckt, ist das aktuelle Schaffen des Künstlers
Ausgangspunkt der Schau. Station für Station wird der Besucher
zurück in die Vergangenheit des Künstlers Franz Ringel
geführt, bis zu den Kasperlfiguren der 60er Jahre –
schockierende, von Geschlechtsorganen überladene Zwitterwesen
– sowie zu den Holzschnitten des damals 17-jährigen
Schülers der Grazer Kunstgewerbeschule.
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FRANZ RINGEL: Schönheit (1971)
Mischtechnik auf Papier, 60 x 70 cm
Foto: Franz Schachinger, Wien
© Sammlung Essl, Privatstiftung |
Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste
bei Professor Albert Paris Gütersloh wird Franz Ringel
1968 durch die viel beachtete Ausstellung "Wirklichkeiten" in
der Wiener Secession bekannt. Die vor Farbe strotzenden Gemälde
Franz Ringels zeigen eine "Wirklichkeit", die brutale und hässliche
Wesen zum Vorschein bringt. Sie thematisieren die Problematik
des menschlichen Zusammenlebens und sind Projektionen des Künstler-Ichs,
dessen Vergegenständlichung für Ringel wichtigster
Bildinhalt ist.
In den 80er Jahren folgt ein abrupter Stilwechsel. So taucht
erstmals die Farbe Grün in den Werken Ringels auf.
"Ich habe bis dahin nie mit Grün gemalt – ich
habe alle Grüns dem Kindergarten geschenkt. Als die Kinder
einmal ihre Mütter malen mussten und sie malten sie nur
mit meinem Grün, gab es einen Skandal."
(Franz Ringel)
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J.M. RINGEL: Die Spanierin (1981)
M Acryl-Mischtechnik auf Leinwand
200 x 170 cm
Foto: Archiv Sammlung Essl
© Sammlung Essl, Privatstiftung |
M.J.M. RINGEL: Akt (1990)
Mischtechnik auf Papier
56 x 42 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© Sammlung Essl, Privatstiftung |
Die bekannten "Denkmal" -Bilder zeigen diesen Wandel und illustrieren
weiters eine Entwicklung von der Identitätsvielfalt hin
zur Identitätseinheit: Bis 1978 zeigen Ringels Werke immer
wieder eine Spaltung und Vervielfachung des Subjekts, oft durch
viele Augen in einem Kopf oder durch die zu einer Zweiheit ("Zwillinge")
verwachsenen Figuren, die häufig nur einen Rumpf besitzen.
In den 80er Jahren setzt auch eine motivische Vielfalt an
vertikalen Formen wie Blumen, Bäumen und anderen Pflanzen
ein. Zeichen des Wandels ist die neue Signatur des Künstlers.
Anstelle seines Vornamens setzt er die Buchstaben M. J. M. für
Margarethe (seine Ziehmutter), Juliane (seine leibliche Mutter)
und Maria (seine Ehefrau), und benennt damit die drei wichtigsten
inspirierenden Bezugspersonen und Leitfiguren seines Lebens.
Wichtig in Franz Ringels Leben ist auch die Auseinandersetzung
mit Literatur. Schon als Kind beschäftigt er sich mit der
Reise des Orpheus durch die Unterwelt, Dantes Göttlicher
Komödie oder den Schriften von Saint-Exupéry.
Werke wie Antonin Artaud oder Die Reise nach Petuschki
zeigen literarische Bezüge. In vielen Stilelementen kommt
auch die Nähe des Künstlers zur "Art brut" zum Ausdruck,
verstärkt durch die Freundschaften zu Jean Dubuffet, Leo
Navratil und den Gugginger Künstlern. Franz Ringel steht
fest in österreichischer Tradition und wird als hervorragendster
Colorist der Österreichischen Malerei nach 1960 gelobt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutsch/englisch
mit Beiträgen von Wolfgang Bauer, Karlheinz Essl, Günter
Golinski, Sepp Hiekisch-Pikard und Sonja Traar sowie Abbildungen
aller in der Ausstellung gezeigten Werke. Ein umfangreiches
Vermittlungsprogramm in der Sammlung Essl ergänzt die Ausstellung,
die anschließend im Kunstmuseum Bochum zu sehen sein wird.
Katalog
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FRANZ
RINGEL - Stationen einer Reise
Zur Ausstellung
erscheint ein 164 Seiten umfassender Katalog in Deutsch
und Englisch. Er folgt dem Konzept der Ausstellung und stellt
die 10 Stationen von Ringels künstlerischer Reise in
großen Farbabbildungen und Textbeschreibungen dar.
Autoren des Katalogs sind Wolfgang Bauer, Karlheinz Essl,
Günter Golinski, Sepp Hiekisch-Picard und Sonja Traar.
Im Katalog enthalten ist eine umfangreiche Biografie Franz
Ringels sowie eine Aufstellung aller Werke aus der Sammlung
Essl, Werke von Leihgebern und des Künstlers. |
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updated: 22.08.2010
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